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"Containertagebuch 72"

Berichte
des Norderstedter Hausarztes
Ernst Soldan über seine Arbeit
mit Geflüchteten und Obdachlosen

   
   
   
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    Horst/Mecklenburg 28.3.22

Bekanntermaßen ist hier die Qualität von Unterbringung wie Verpflegung grottenschlecht, auch gibt es keine Schulmöglichkeiten für die zahlreichen Kinder. Warum jetzt auch Geflüchtete aus der Ukraine hierher verlegt werden - keine Ahnung. Bisher wurde die Belegung des Lagers immer spärlicher (gut so, in seiner Abgelegenheit und mangelndem Komfort), jetzt füllt es sich, unübersehbar, mit ukrainischen Familien. Mehrere Autos mit entsprechenden Nummernschildern stehen am Zaun, in einem noch ein Plakat im Heckfenster mit der russischen Aufschrift "DJETI", Kinder. Immerhin sind sie damit hierher heil durchgekommen, im Gegensatz zu den Kindern im Theater von Mariupol, die trotz dieser in Riesenbuchstaben auf dem Dach angebrachten gleichnamigen Warnung bombardiert worden sind.

Alle 4 Wochen, jeden letzten Sonntag im Monat, sowie an einigen anderen Tagen, gibt es Solidaritätsaktionen von ProBleiberecht und anderen Gruppen vor diesem Lager. Mit Musik, Kleider- und Spielzeugverteilung, Kaffee und Kuchen sowie Rechts- und Medizinberatung. Für letzteres bin u.a. ich zuständig, sowie mein alter Freund U., den ich seit 1971 von der Krankenpflegeschule kenne, und der wie ich Inhaber einer Praxis war. Eine der ukrainischen Familien ist mit einem schwerbehinderten Kind gekommen, welches keine feste Nahrung (oder Tabletten) schlucken kann, nur in flüssiger Form. Das kriegen sie mit ihrer Horster Gemeinschaftsverpflegung nicht gebacken, und Kochen oder überhaupt Essen mit aufs Zimmer mitnehmen verbietet die Hausordnung - das Kind hat also seit Tagen fast nichts gegessen. Wir schreiben der Mutter ein Attest, dass das Kind breiige/flüssigen Nahrung und Medikamente in Tropfenform braucht - ob's was nützt? In Borstel wäre das nicht passiert, dort sind auch Familien mit schwerstbehinderten Kindern untergebracht, aber dort wird auf solche Bedürfnisse Rücksicht genommen. Und wenn unerwarteter Weise nicht nur Hunde mitgekommen sind, sondern auch Katzen, dann besorgt das Rote Kreuz halt Katzenfutter.

Borstel 2.4.22

Es ist die dritte Visite meiner ukrainischen Kollegin K. und mir, und langsam bekommen wir Routine. Auch hat ein Spendenaufruf einer Rundmail an meine Familie und Freunde innerhalb weniger Tage 1035 € erbracht, die ich in Medikamenten angelegt habe. Nochmal gaaanz herzlichen Dank!!
U.a. können wir mit Nasenspray jetzt werfen, besonders nachdem wir weniger Corona-Fälle haben als noch vor zwei Wochen. Allerdings sorgen wir unfreiwillig für Nachschub, nachdem die Mutter des spastisch gelähmt N. um Nasenspray bittet. In Zeiten wie diesen braucht es dann schon einen Corona-Schnelltest, nachdem der letzte schon 3 Tagen her ist (bei Ankunft). Resultat: Positiv. Also dickes Schild an das zum Glück geräumige Zimmer (mit Nasszelle), Einmalkittel, Handschuhe und Desinfektionsmittel vor die Tür, Erklärung für die Mutter, dass sie das Zimmer nicht verlassen und nicht besucht werden darf, und dass alles was sie braucht gebracht kriegt. Gut, dass wir uns in einem Krankenhaus befinden, die Klingelanlage funktioniert noch. Noch Wäsche in der Maschine? Wird organisiert. Am Ende des Waschgangs kommt die Wäsche raus, wird aufgehängt, und sobald trocken, ins Zimmer zurückgebracht. Ach so, und Nasenspray kriegt er natürlich auch, mehr braucht er aktuell nicht. Kein Vergleich zu Horst. Die machen zwar auch Schnelltests bei Ankunft, aber zum Glück waren die bisher negativ.

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Letzte Änderung:
04/04/22
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